Anfang 2003, als meine Kinder 10 und 12 Jahre alt waren, haben wir unsere zweite Reise nach Marokko gemacht.


Supratours_Agadir_-_Marrakech_b.jpg ...Vor unserer Abreise von Agadir nach Marrakesch...

Nach unserer Rückkehr nach Norwegen, habe ich sieben kleine Geschichten über die Eindrücke unserer Reise geschrieben. .............................................................................................................

Geschichten aus Marokko

Vor einer Woche sind meine beiden Kinder und ich aus Marokko zurückgekommen. Gestern habe ich unsere Filme zum Entwickeln gebracht. Wir sind sehr auf unsere Fotos gespannt.

Aber die Fotos werden nur einen kleinen Teil unserer Erlebnisse wiedergeben. In unserer Erinnerung leben viele Bilder...

- von den Menschen, die uns begegnet sind...

- von der herzlichen Gastfreundschaft, die ursprünglich fremde Menschen uns entgegengebracht haben...

- von der beeindruckenden Landschaft zwischen Agadir und Marrakesch. Im Vordergrund grüne Weiden auf roter Erde. In der Ferne die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges...

- von den unzähligen Tierherden mit ihren Hirten...

- von großen und kleinen Kindern mit Schulranzen entlang der Wege und Straßen...

Es sind viele Bilder, die in unserer Erinnerung leben. Ich werde versuchen, einige für Euch sichtbar zu machen.

Ich fange heute mal mit einem Erinnerungsbild von unserer Ankunft in Marrakesch an.

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1. Bilder einer Taxifahrt


Am frühen Abend kommen wir am Bahnhof in Marrakesch an. Unser Taxi drängelt sich in der Dunkelheit durch den dichten Verkehr in der Innenstadt. Durch das offene Fenster des Fahrers dringen Abgasgeruch und ein vielstimmiges Hupkonzert zu uns herein. Rechts von uns sehen wir die erleuchtete alte Stadtmauer. Fußgänger versuchen im Chaos von Autos und Mopeds, und hin-und wieder auch Maultierkarren und Pferdekutschen, die Straße zu überqueren. Eine junge Frau steht mitten zwischen den Fahrzeugen und kommt nicht weiter.

Unser Taxifahrer macht häufige, aus unserer Sicht gewagte Überholmanöver, bremst, gibt wieder Gas, hupt. Dann stehen wir an einer Kreuzung fest.

Direkt neben uns in einem Auto, zum Greifen nahe, sitzt ein kleines, dunkelgelocktes Kind auf dem Schoss einer Frau auf dem Beifahrersitz. Es betrachtet uns ohne eine Miene zu verziehen. Wir lächeln ihm zu und winken. Das Kind versteckt sein Gesicht in den Kleidern der Frau. Dann dreht es sich wieder zu uns um. Die Frau und das Kind lächeln und winken zurück. Eine kurze Begegnung. Wir lassen die beiden hinter uns. Unser Taxi fährt weiter.

Nach ein paar hundert Metern ein Verkehrspolizist im weissen Mantel am rechten Straßenrand. Ein regungsloser Mann liegt auf der Straße, daneben ein umgestürztes Moped. "Ist er tot?", fragen meine Kinder. Wir wissen es nicht. Vielleicht wartet heute Abend eine Familie vergeblich auf den Mann am Straßenrand.

Wir passieren viele dunkelgekleidete Mopedfahrer ohne Licht auch auf der unbeleuchteten Landstraße. Und Fußgänger, Fahrradfahrer und Maultierkarren. Kaum zu erkennen in der Dunkelheit. Ich denke an die reflektierenden Westen und die reflektierenden Anhänger für Jacken und Mäntel, die wir zu Hause in Norwegen benutzen. Und wünsche mir, ich könnte all diesen Menschen, die wir im Dunkeln passieren, reflektierende Westen schenken.

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